Wenn das Zittern mit 14 beginnt

Nadine Mattes

Ich weiss noch wie es angefangen hat, meine Hand fing leicht an zu zittern. Am Anfang war ich der Meinung, das ist normal oder das geht bestimmt wieder weg. Aber es war nicht so, es wurde schlimmer. Ich konnte es irgendwann nicht mehr verstecken und suchte den Arzt auf. Es gibt bleibende Erinnerungen, das ist einer davon. Ich mußte stundenlang warten dann endlich war ich dran. Ich weiss noch wie er sagte „hast du gestern Stern TV geschaut“?,„nein sagte ich, und war mir nicht sicher was er damit sagen wollte. „Nun da war genau das Thema, das Zittern. Ich sag dir mal was. Jeder Mensch zittert, der eine etwas weniger, du eben etwas mehr, das ist normal“

Also alles ist GUT, ich gehöre scheinbar zu den ANDEREN. Was ich da noch nicht wüste es wird schlimmer, immer schlimmer. Berits als ich in der Abiturzeit war, hatte der Tremor an Ausprägung und Intention zu genommen. Ich war auch bei anderen Ärzten mittlerweile immer dasselbe, alles ist gut, alles ist normal. Außer der Stress da sollte ich dran arbeiten. Zum runterfahren habe ich dann Diacipan bekommen, und das mit 17 Jahren. Hauptsache alles ist gut. 

Bei Stress würde der Tremor tatsächlich schlechter. Und so hatte ich bei einer Klausur kaum eine Möglichkeit zu schreiben. Ein Freund hat mir damals die erste Zigarette gegeben sagte ich soll das mal probieren, und was soll ich sagen es hat funktioniert. Das Zittern würde besser. Nun ich würde also zum Raucher, weil es mir geholfen, hat zu mindestens am Anfang. 

Aber der Tremor begleitet mich durch meine Jugend, ich könnte ihn nicht verstecken also bin ich offen damit umgegangen. Ich sagte immer, „ich zittere das ist normal“. War ja nicht gelogen das war die Information, die ich nun von mehren ambulanten Neurologen hatte. Heute ärgert es mich total die Medikamente helfen mir, und im nahhinein muss ich sagen, es war so unendlich anstrengt teilweise, das hätte ich mir ersparen können. 

Beruflich nun auch das war so ein Problem, was macht man wen man so ein Tremor hat? Arzt war schon einmal keine Option. Ich beim blutabnahmen oje. Dan hatte ich auch noch ein doppeltes Problem. Der Tremor und dann noch LRS. Beruflich nun ja was soll ich sagen. Ich habe es erst einmal verschoben. Ich habe mich für das Abi entschlossen nicht weil ich es gebraucht hätte oder weil es mich interessiert hat. Ich wüsste einfach nicht wo hin mit mir also Abi. Ist ja auch nicht verkehrt was man hat das hat man. Und ja ich habe es. 

Aber bei allen den positiven denken oder Lösungen für die Zukunft suchen, war mir gesundheitlich nicht geholfen. Die Ärzte waren sich einig kein Grund zu sorge oder um einzugreifen. Ich habe es anders gesehen, der Tremor würde starker ich hatte oft schmerzen mir ging es einfach nicht gut. 

Dann hatte ich den ersten kontakt zu Cannabis und was soll ich sagen mir ging es besser, der Tremor hat auf den Cannabis reagiert die schmerzen waren auch weg. Ich könnte wieder leben wie alle anderen Jugendlichen auch. Das es nicht richtig war das weiß ich, aber es hat mir geholfen. Und Medikamente wollte mir niemand geben. Und ich war noch jung und ich wollte einfach leben wie alle andern auch. 

Heute bin ich 37 Jahre und bekomme Parkinson Medikamente und ein Leben ohne Dopa wäre für mich nicht mehr möglich. Denn mein Tremor könnte sich in all den Jahren ohne Medikamente ausbreiten. Er hat mich komplett eingenommen, und bestimmt mein Leben, und meine Lebens Planung seit meiner Jugend.

Ein Handicap ist es natürlich immer gewesen aber ich habe mich auch nie versteckt. Ich war feiern haben mein Leben gelebt und spaß gehabt. Das ganze halt anders. 

Was sagt meine Tochter immer „wir sind besonders Anders“ und recht hat sie das sind wir. 

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