Kontrollstörungen

Was sind Impulskontrollstörungen?

Zu den Impulskontrollstörungen bei Patienten mit Parkinson zählen die  Spielsucht, die  Kaufsucht, die  Sexsucht sowie die  Esssucht (oft als Heißhunger- oder Fressattacken bezeichnet). Diese Gruppe der nicht-motorischen Störungen beeinträchtigt die Lebensqualität der Patienten erheblich und belastet darüber hinaus auch häufig die Partnerschaft und das Familienleben. Werden die genannten Störungen nicht erkannt und behandelt, können sich hierdurch auch schwerwiegende finanzielle und soziale Konsequenzen für die Betroffenen ergeben. Da es sich bei den genannten Störungen um zum Teil schambehaftete Themen ist eine aktive Aufklärung von besonderer Bedeutung. 

Wie häufig treten sie auf und wer ist besonders betroffen?

Man geht davon aus, dass etwa jeder 10 Parkinson Patient von mindestens einer der genannten Störungen im Verlauf der Erkrankung betroffen ist. Jüngere Patienten sind häufiger von Impulskontrollstörungen betroffen als ältere Patienten; auch bestimmte Persönlichkeitseigenschaften (Impulsivität) und Rauchen sind mit einem erhöhten Risiko für Impulskontrollstörungen verbunden. Personen, die in der Vergangenheit schon ein ähnliches Verhalten gezeigt haben (z.B. Glückspiel), haben ebenfalls ein höheres Risiko für Impulskontrollstörungen. Frauen und Männer unterscheiden sich vor allem in der Art der Impulskontrollstörungen: bei Frauen findet sich beispielsweise häufiger eine Kaufsucht oder Esssucht, bei Männer tritt dagegen eine Sexsucht häufiger auf.

Welche Rolle spielt die medikamentöse Therapie?

Es gibt Hinweise, dass das Auftreten und die Ausprägung der Impulskontrollstörungen mit der medikamentösen Therapie zusammenhängt und dass das Risiko, eine Impulskontrollstörung zu entwickeln unter einer Therapie mit Dopaminrezeptoragonisten höher ist als unter einer L-Dopa Monotherapie. Auch die Dosis der Medikamente spielt eine Rolle: mit der Dosis steigt auch das Risiko für Impulskontrollstörungen.

Wieso kommt es Parkinson Patienten häufig zu Störungen?

Dopamin spielt in unserem Gehirn nicht nur für die Motorik, sondern auch für das Belohnungsverhalten und Entscheidungsprozesse eine wichtige Rolle. Durch die medikamentöse Therapie wird also nicht nur die Motorik verbessert, sondern auch das Belohnungsverhalten beeinflusst. Dies bedeutet, dass Patienten unter einer medikamentösen Therapie für die Parkinson Erkrankung auf bestimmte positive Reize (Gewinne beim Glückspiel, Glücksgefühl beim Sex, etc.) intensiver reagieren und ihr Verhalten darauf ausrichten, diese positiven Gefühle möglichst oft und intensiv wieder zu erleben.

Was kann dagegen getan werden?

Das Wichtigste ist das frühzeitige Erkennen einer sich entwickelnden Impulskontrollstörung. Um dies zu erreichen, ist es wichtig, Patienten (und Angehörige) über diese Gruppe von Symptomen vor Beginn und Steigerung einer Therapie aufzuklären. Ergeben sich Hinweise, dass es in der Vergangenheit bereits zu ähnlichen Problemen (z.B. häufiges Glückspiel) gekommen ist, kann es im Einzelfall und in Abstimmung mit dem Patienten sinnvoll sein, ggf. auch das soziale Umfeld über das Risiko zu informieren, um so dem Patienten die Möglichkeit zu geben, dass dieser bei einer Änderung seines Verhaltens auch von seinem Umfeld darauf aufmerksam gemacht wird. Ist es zu einer Impulskontrollstörungen gekommen, kann oft durch eine Dosisreduktion oder auch durch eine Umstellung von Dopaminrezeptoragonisten Therapie auf eine L-Dopa Therapie eine Besserung erzielt werden. Auch eine Verhaltenstherapie und eine medikamentöse Therapie der Störung kann im Einzelfall sinnvoll und erfolgversprechend sein.