Blasenschwäche

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Wenn mal ein Tropfen ...

Bei Menschen die an MSA (Multisystematrophie) oder Parkinson erkrankt sind, leider häufig unter Störungen der Blasenfunktion.
Wie in vielen Studien festgestellt wurde, leiden 27 bis 71% der an Parkinson erkrankten und 78 bis 96% der MSA-Patienten, an einer Funktionsstörung des unteren Harntraktes. Dies ist für die Betroffenen natürlich eine starke Belastung. Mit der Schwere der Erkrankung, auch im Zeitablauf und dem Ausmaß der neurologischen Einschränkungen, nehmen auch die Funktionsstörungen der Blase i. d. R. zu.
Bei an Parkinson erkrankten Menschen ist die Störung der Entleerung der Blase, mit Symptomen wie nächtlicher Urinverlust und häufigem Harndrang, die am weit verbreitetste Funktionsstörung. Dies ist für die Betroffenen selbstverständlich sehr unangenehm und peinlich.
Jedoch ist diese Funktionsstörung oftmals gut zu behandeln.
Die Personen, die mit L-Dopa, Dopaminrezeptorargonisten und anderen neuotropen Substanzen in Kombination behandelt werden, haben oftmals weniger Schwierigkeiten mit den Blasenbefüllungs- und Entleerungsphasen. 
Eine Behandlung erfolgt bei neuerogenen , d.h. vom Nervensystem ausgehenden bzw. durch das Nervensystem bedingten Erkrankungen, mit dem Wirkstoff Anticholinergika. Dieser wird auch, bei nicht an Parkinson erkranken Personen, mit Blasenfunktonsstörungen angewendet.
Wenn durch eine MP oder MSA eine zu aktive Blase vorhanden ist, wird zunächst versucht, diese mit Training der Blase in den Griff zu bekommen. 
Danach wird als Medikation der Wirkstoff Anticholinergika verordnet. Dieser unterdrückt im parasympathischen Nervensystem die Wirkung von Ach (Acetylchoin). Das wird erreicht, indem in dem er den  Muscarin-Rezeptor (muskarinischen Acettylcholinrezeptor) kompetitiv hemmt. In der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie wird empfohlen, dies so anzuwenden, weil dadurch die Nervenreize, die zur Sekretionssteigerunng und  zu einer Kontraktion der glatten Muskulatur der Drüsen führen, abgeblockt werden.
Wegen den zu beobachteten und bekannten Nebenwirkungen wie beispielsweise Schwindel, Mundtrockenheit , Verstopfung, ist es notwendig, das Pro und Contra gegeneinander zu halten, den möglichen Nutzen gegen die Risiken abzuwägen.
Die Wirkstoffe Tolterodin, Propiverin und Oxybutynin werden im Regelfall bei einer Reizblasse verordnet. Das Oxybutynin kann u.U. einen negativen Einfluss auf die kognitive Funktion eines Menschen, der an Parkinson erkrankt ist, verursachen.
Eine ausreichende Trinkmenge ist auf jeden Fall einzuhalten, dies ist wichtig zu beobachten und einzuhalten, da das Trinkverhalten der an Parkinson erkrankten Personen, die an einer Funktionsstörung der Blase leiden, oft dazu führt, das die Trinkmenge absinkt. 

Geschrieben von: Prof. Dr. med. U. Wüllner Universitätsklinikum Bonn – Neurologie für Parkinson Youngster Februar 2020