Anästhesie

Sehr wichtig

Für jeden Menschen sind kleinere oder größere Operationen im Laufe seines Lebens sehr wahrscheinlich notwendig. Ein gesunder Mensch denkt wahrscheinlich wenig darüber nach, da er keine Probleme sieht und i.d.R. auch keine zu erwarten sind. Völlig anders stellt sich die Situation bei an Parkinson erkrankte Personen dar. Weil dieser Personenkreis eine Vielzahl an Medikamenten zu sich nimmt (wegen der symptomatischen Parkinson-Medikation und der Krankheit an sich), kann es während der Narkose und in Ihrem Umfeld zu Schwierigkeiten/Problemen kommen.

Damit es dazu nicht kommt, ist der richtige Umgang mit der Narkose als solche, das Fachwissen um die Narkose selbst, der korrekte Umgang mit den Medikamenten und die Wirkung der Kombination, sehr wichtig, um den Erfolg der OP zu gewährleisten. Damit wird dem Patienten auch die Angst genommen, eine Verschlechterung seines allgemeinen Zustandes durch die Narkose befürchten zu müssen.

Allgemeine Informationen zur Narkose

Die Aufgabe der Narkose, auch Allgemeinanästhesie, einen Eingriff (operativer oder diagnostischer Natur) für den Patienten schmerzfrei durchführen zu können.
Der Ursprung des Wortes „Anästhesie“ findet man im griechischen und lautet in der Übersetzung „Ohne Wahrnehmung“. Man versteht in der Fachsprache der Medizin darunter den Zustand eines Patienten der Empfindung- und Schmerzlosigkeit. Daher wird im allgemeinen von einer Betäubung gesprochen. 

Arten der Anästhesie 

Die Einteilung der verschiedenen Formen der Anästhesie erfolgt nach Art und Ort und nach dem Zugang des operativen Eingriffes. 

  • Lokal- LA
  • Allgemein- AA
  • Kombination- LA+AA

Die auch Teilnarkose genannte Lokalanästhesie (LA) ist eine örtliche Betäubung. Hierbei wird die Schmerzempfindlichkeit und Schmerzwahrnehmung in einem räumlich kleinerem, genau umgrenzten Gebiet, durch das abschalten der Schmerzempfindung und Schmerzweiterleitung erreicht. 

Bestimmte Medikamente, die Lokalanästhetika, werden an den Nerv oder direkt unter die Haut gegeben. Damit wird, bei Bewusstsein des Patienten, die Schmerzfreiheit erreicht. Nicht jeder Eingriff ist so darzustellen, geeignet für die LA, aber im Vergleich zu einer Vollnarkose, belastet sie den Patienten nicht so sehr.
Man differenziert, unter Berücksichtigung der Größe des zu betäubenden Bereiches des Körpers und der Form der Injektion, zwischen verschieden Arten (Leitungs-, Infiltrations-,intravenöser Regional-, Oberflächen-, Spina- und Periduralanästhesie).
In Abhängigkeit von der Größe des zu betäubenden Haut- oder Nervenbereiches, ist nicht nur die Wahrnehmung des Schmerz nicht mehr vorhanden, auch die Muskelkraft, das Tast- und Temperaturempfinden ist aufgehoben. Das bedeutet, das zeitweise, vorübergehend, der jeweils betroffene Muskel gelähmt ist.

Oberflächenanästhesie

Unter der Oberflächenanästhesie versteht man das bestreichen der Haut- oder Schleimhaut mit einem LA-Präparat.  Dabei werden beispielsweise Salben, Gels, Lösungen, Sprays benutzt um den betroffenen Bereich für eine relativ kurze Zeit zu betäuben. Angewendet wird dies z. B. vor dem Legen eines Blasenkatheders durch einbringen eines Gels oder durch Auftragen einer Salbe bei kleineren Schönheitseingriffen.
Individuelle Unverträglichkeiten ausgenommen, ist dies für Parkinson-Patienten kein gesondertes Problem.

Infiltrationsanästhesie

Hierbei wird das LA -Präparat direkt unter die Haut gespritzt, wie beispielsweise bei einer zahnärztlichen Behandlung durch Nutzung von Ampullen zur Injektion, dem Einsatz der LA
Beim spritzen des LA-Präparates unter die Haut, verteilt sich das LA im umliegenden Gewebe und gelangt so in die Nähe der Nerven. Dies kann Probleme bei Parkinson-Patienten hervorrufen. Damit das schnelle Abfluten des Wirkstoffes in der Blutbahn und durch die dadurch entstehende Verteilung, die eine Wirkung im gesamten Körper vermindert. und somit die lokale Wirkung Bestand haben soll, werden oftmals die LA mit Blutgefässen verengenden Medikamenten (Vasokonstriktoren, wie z B. Adrenalin) kombiniert.

Bei mit L-Dopa behandelten Parkinson-Patienten existiert eine besonders ausgeprägte Empfindlichkeit des Herzmuskels gegenüber Adrenalin. 

Daher sollte die Nutzung auf LA mit Zusätzen von Adrenalin vermieden werden. Außerdem werden viele Betroffene mit einem COMT-Hemmer wie z. B. Opicapon, Entcapon, Tolcapon behandelt. Dieser Wirkstoff verursacht eine vorübergehende Blockierung des Catechol-O-Methyltransferase, die für den Abbau diverser Botenstoffe zuständig ist, auch für den Dopaminabbau.
Weil das Adrenalin auch über dieses Enzym verringert, abgebaut wird, besteht die Gefahr, das die Konzentration des Adrenalins im Blut steigt und somit zu einem Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks führt.  

Geeignete LA ohne Zusatz von Adrenalin wie Mepivacain oder Carticain können in der Zahnmedizin Anwendung finden. 

Regionalanästhesie

Die Regionalanästhesie („Teilnarkose“) ermöglicht durch eine vorübergehende medikamentös-bedingte Blockade bestimmter Nerven die Ausschaltung des Schmerzempfindens und manchmal auch der Bewegungsmöglichkeit in einer Körperregion. Der restliche Körper wird dadurch nicht beeinflusst, und der Patient bleibt im Gegensatz zur Vollnarkose (Allgemeinanästhesie) bei Bewusstsein, ist also wach und ansprechbar. Falls nötig können zusätzlich beruhigende Medikamente verabreicht werden, z.B. ein Schlafmittel, was die Patienten in einen leichten Schlaf versetzt, aus dem sie aber jederzeit erweckbar sind. Hier sprechen die Anästhesisten auch von einer Sedierung. Auch die Einleitung einer Allgemeinanästhesie ist bei Bedarf jederzeit möglich.

Leitungsanästhesie

Hierbei wird ein großer Arm- oder Beinmuskel blockiert.

Das LA-Medikament  wird mit einer Nadel direkt in die Nähe des Nervs gespritzt.

Plexusanästhesie

Ein Nervengeflecht (Plexus) wird durch die Art der Anästhesie betäubt, nicht nur ein Nerv. Dieses Geflecht von Nerven findet man in Armen und Beinen und im Becken.

Spinal- und Periduralanästhesie

Bei dieser Form wird das LA-Medikament in das Rückenmark, in die Nähe der Nervenwurzeln gespritzt. Die Unterscheidung zwischen den beiden Formen sind durch die Tiefe des Eindringen in den Rückenmarkkanal.
Bei der Spiralanästheise wird die Kanüle bis in das Nervenwasser eingeführt und vermischt sich mit dem Medikament und betäubt die darunter liegende Körperregion. Die Peridualanästhesie legt ihre Nadel nicht so tief ab, sondern lediglich im Fettgewebe, die die Kanalhülle umgibt. Dadurch wird die Nervenwurzel lediglich in der Höhe des Einstiches der  Nadel betäubt. Der Einsatz von Adrenalin in dieser Methode war nicht erfolgreich, daher besteht für den Parkinson-Patienten kein besonderes Risiko.

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